Umbauter Raum und Bruttorauminhalt (BRI) berechnen
Kurz gesagt: Der Bruttorauminhalt ist das Volumen eines Gebäudes, gemessen an seinen Außenflächen: Brutto-Grundfläche jedes Geschosses mal Geschosshöhe, dazu das Dach. „Umbauter Raum“ ist der ältere Begriff aus der DIN 277 von 1950, mit anderen Messregeln und meist kleinerem Ergebnis. Hier finden Sie beide Rechenwege, ein vollständiges Beispiel und die Fälle, in denen der Kubikmeterwert heute noch gebraucht wird.
Die kurze Antwort
BRI = Summe aus Brutto-Grundfläche × Höhe je Geschoss, plus Dachraum. So regelt es die DIN 277:2021-08 in Abschnitt 7.1: Gemeint ist das gesamte Volumen innerhalb der Außenhülle, nach unten begrenzt durch die Gründung, seitlich durch die Außenwände, oben durch das Dach. Der umbaute Raum ist sein Vorgänger aus der DIN 277:1950-11, die 1973 durch die DIN 277-1 ersetzt wurde.
BRI = Σ (BGFGeschoss × HöheGeschoss) + Rauminhalt unter dem Dach
Höhe = Abstand der Oberkanten der Bodenbeläge; unterstes Geschoss ab Unterkante Bodenplatte
Der Wert hat mit der Wohnfläche nichts zu tun. Er beschreibt die Größe des ganzen Baukörpers, einschließlich Wänden, Decken, Keller und Dachraum. Gebraucht wird er für Baukosten, Gebühren und Bewertungen, nicht für Mietvertrag oder Exposé.
Brutto-Rauminhalt nach DIN 277:2021-08
Grundlage ist die Brutto-Grundfläche (BGF), gemessen an den äußeren Maßen der Bauteile einschließlich Putz und Bekleidung. Die Höhen regelt Abschnitt 7.1:
- ●Normale Geschosse: gemessen von Oberkante Fußboden bis Oberkante Fußboden des nächsten Geschosses.
- ●Unterstes Geschoss: beginnt unten an der Bodenplatte, und zwar an ihrer Unterseite samt Dämmung darunter, und reicht bis zum Fußboden des Geschosses darüber.
- ●Dach: bis zur Oberkante des Dachbelags. Schräge oder gekrümmte Flächen werden nach den tatsächlichen geometrischen Verhältnissen berechnet. Hohlräume ohne Grundfläche, etwa in einem Kaltdach, werden getrennt ermittelt und dem angrenzenden Geschoss zugeordnet.
- ●Balkone und Loggien (Bereich S): bis zur Oberkante der Brüstung, bei Überdachung bis zur Oberkante der Überdeckung. Eine offene Terrasse ohne Brüstung hat keinen Rauminhalt.
Nicht zum Brutto-Rauminhalt gehören unter anderem:
- Einzel- und Streifenfundamente, Tiefgründungen
- Eingangsüberdachungen und Dachüberstände (soweit sie keinen Balkon oder Freisitz überdecken)
- außen liegende Licht- und Luftschächte bis 1,0 m³
- Schornsteinköpfe und Lüftungsrohre über dem Dach
- kleine Dachaufbauten bis 1,0 m³ und Gesimse, Lisenen, Pilaster
Neben dem BRI kennt die Norm den Netto-Rauminhalt (NRI, Volumen der Räume über der Netto-Raumfläche) und den Konstruktions-Rauminhalt (KRI, Volumen der Bauteile). Es gilt BRI = NRI + KRI.
Umbauter Raum: die alte Regel aus der II. BV
Die DIN 277 von 1950 ist zurückgezogen, ihre Rechenregeln sind aber nicht verschwunden. Sie stehen als „Berechnung des umbauten Raumes" in Anlage 2 der Zweiten Berechnungsverordnung. Die wichtigsten Punkte:
| Seitlich | Außenflächen der Umfassungen; Grundfläche nach den Rohbaumaßen des Erdgeschosses (Nr. 1.11, 1.31) |
| Unten | unterkellert: Oberfläche des untersten Geschossfußbodens; nicht unterkellert: Geländeoberfläche (Nr. 1.12) |
| Oben | nicht ausgebautes Dach: Fußboden über dem obersten Vollgeschoss; ausgebautes Dach: Außenflächen der umschließenden Wände und Decken (Nr. 1.13) |
| Dachraum | nicht ausgebauter Dachraum nur zu einem Drittel (Nr. 1.2) |
| Nicht abzuziehen | Fenster- und Türleibungen, Loggien (Nr. 1.33) |
| Nicht hinzuzurechnen | Dachaufbauten bis 2 m² Ansichtsfläche, Balkonplatten und Vordächer bis 0,5 m Ausladung, Dachüberstände, gewöhnliche Gründungen, Kellerlichtschächte (Nr. 1.34) |
| Gesondert zu veranschlagen | Veranden und leichte Anbauten, größere Dachaufbauten und Balkone, Freitreppen mit mehr als 3 Stufen, Terrassen, besondere Gründungen (Nr. 1.4) |
Der Begriff lebt deshalb weiter: in Bauakten älterer Häuser, in Gutachten, in manchen Versicherungsanträgen und im Sprachgebrauch von Architekten. Wer heute „umbauter Raum" sagt, meint oft den BRI. Ein alter Wert und ein neuer BRI sind aber nicht direkt vergleichbar.
Umbauter Raum vs. Brutto-Rauminhalt
| Umbauter Raum (II. BV, Anlage 2) | BRI (DIN 277:2021-08) | |
|---|---|---|
| Grundfläche | Rohbaumaße (ohne Putz) | Außenmaße einschließlich Bekleidung |
| Untere Grenze | Kellerfußboden bzw. Gelände | Unterkante Bodenplatte inkl. Dämmung |
| Nicht ausgebauter Dachraum | ein Drittel | voll |
| Kleine Dachgauben | bis 2 m² Ansichtsfläche nicht | über 1,0 m³ Volumen erfasst |
| Ergebnis | kleiner | größer |
Rechenbeispiel: Einfamilienhaus mit Satteldach
Rechteckiger Baukörper, Außenmaß mit Putz 10,00 m × 8,00 m, Außenputz 2 cm (Rohbaumaß 9,96 m × 7,96 m). Voll unterkellert, Erdgeschoss und Obergeschoss, darüber ein nicht ausgebauter Dachraum unter einem Satteldach ohne Kniestock, Firsthöhe 4,00 m über dem Dachboden. Höhenkoten: Unterkante Bodenplatte −2,75 m, Kellerfußboden −2,45 m, Erdgeschoss ±0,00 m, Obergeschoss +2,80 m, Dachboden +5,60 m.
Brutto-Rauminhalt nach DIN 277
BGF je Geschoss: 10,00 × 8,0080,00 m²
Kellergeschoss: 80,00 × 2,75220,00 m³
Erdgeschoss: 80,00 × 2,80224,00 m³
Obergeschoss: 80,00 × 2,80224,00 m³
Dachraum: ½ × 8,00 × 4,00 × 10,00160,00 m³
Brutto-Rauminhalt828,00 m³
Umbauter Raum nach II. BV, Anlage 2
Grundfläche Rohbau: 9,96 × 7,9679,28 m²
Höhe: Kellerfußboden −2,45 bis Dachboden +5,608,05 m
Voll anzurechnen: 79,28 × 8,05638,22 m³
Dachraum: ½ × 7,96 × 4,00 × 9,96 = 158,56 m³, davon ⅓52,85 m³
Umbauter Raum691,07 m³
Der BRI liegt mit 828,00 m³ um 136,93 m³ oder rund 20 % über dem umbauten Raum. Die Differenz setzt sich so zusammen:
Dachraum voll statt zu einem Drittel: 160,00 − 52,85107,15 m³
Bodenplatte mit Dämmung: 80,00 × 0,3024,00 m³
Außenputz: (80,00 − 79,28) × 8,055,78 m³
Differenz136,93 m³
Die Wohnfläche desselben Hauses ist eine ganz andere Größe: Sie umfasst nur die Innenflächen von Erd- und Obergeschoss nach WoFlV, ohne Wände, Keller und Dachboden. Wie Brutto-Grundfläche und Wohnfläche zusammenhängen, zeigt BGF, NRF, Wohnfläche: Umrechnungsfaktoren für Bauträger, Investoren und Architekten .
Wohnfläche und Flächen nach DIN 277 berechnen
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Wofür man umbauten Raum und BRI heute braucht
-
1
Baukosten: Die DIN 277 schafft nach ihrem Anwendungsbereich die Grundlage für die Kostenermittlung nach DIN 276. Kostenkennwerte für frühe Planungsphasen werden je m² BGF oder je m³ BRI angegeben. Der Kubikmeterwert bildet hohe Räume und Dachräume besser ab als die Fläche.
-
2
Baugenehmigungsgebühren: In manchen Ländern hängt die Gebühr vom Rauminhalt ab. In Nordrhein-Westfalen etwa wird sie nach der Allgemeinen Verwaltungsgebührenordnung auf Basis von Rauminhalt und landeseinheitlichen Rohbauwerten berechnet (Bauportal NRW).
-
3
Wertermittlung: Die heutige Immobilienwertermittlungsverordnung gibt die Normalherstellungskosten (NHK 2010) in Euro je Quadratmeter Brutto-Grundfläche an (ImmoWertV, Anlage 4), nicht je Kubikmeter. Ältere Gutachten arbeiten dagegen oft noch mit Raummeterpreisen auf Basis des umbauten Raums, wie es schon der Titel der DIN 277 von 1950 nahelegt.
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4
Wohngebäudeversicherung: Manche Versicherer ermitteln die Versicherungssumme über den umbauten Raum, andere über Wohnfläche und Ausstattung. Welche Größe Ihr Vertrag verwendet, steht im Antrag oder in der Police. Wer dort einen Kubikmeterwert angibt, sollte wissen, nach welcher Regel er berechnet wurde.
Häufige Fragen zu umbautem Raum und BRI
Was ist umbauter Raum?
Der umbaute Raum ist das Volumen eines Gebäudes in Kubikmetern, berechnet nach der DIN 277 von 1950 („Hochbauten – Umbauter Raum – Raummeterpreis“). Die Norm ist zurückgezogen; heute heißt die entsprechende Größe Brutto-Rauminhalt (BRI). Die alten Rechenregeln stehen weiterhin in Anlage 2 der II. Berechnungsverordnung.
Wie berechnet man den Bruttorauminhalt?
Brutto-Grundfläche jedes Geschosses mal Geschosshöhe, dann addieren. Die Höhe ist der Abstand zwischen den Oberkanten der Bodenbeläge; beim untersten Geschoss zählt ab Unterkante Bodenplatte einschließlich Dämmung, beim Dach bis Oberkante Dachbelag. Schräge Dächer werden nach ihrer tatsächlichen Geometrie berechnet.
Was ist der Unterschied zwischen umbautem Raum und BRI?
Der BRI ist größer. Er beginnt unter der Bodenplatte statt auf dem Kellerfußboden, rechnet mit Fertigmaßen statt Rohbaumaßen und erfasst den nicht ausgebauten Dachraum voll statt zu einem Drittel. Im Beispiel dieses Artikels liegt der BRI rund 20 % über dem umbauten Raum.
Zählt der Dachboden zum umbauten Raum?
Ja, ein nicht ausgebauter Dachraum aber nur zu einem Drittel (II. BV, Anlage 2, Nr. 1.2). Ein ausgebautes Dachgeschoss zählt voll. Beim Brutto-Rauminhalt nach DIN 277 zählt das Volumen unter dem Dach immer voll.
Wo finde ich den umbauten Raum meines Hauses?
In der Bauakte. Bauanträge enthalten häufig eine Berechnung des umbauten Raums oder des Brutto-Rauminhalts, weil manche Länder die Baugenehmigungsgebühr danach bemessen. Fehlt sie, lässt sich der Wert aus den Außenmaßen und Geschosshöhen der Baupläne berechnen.
Was ist der Netto-Rauminhalt?
Der Netto-Rauminhalt (NRI) ist das Volumen der Räume selbst: Netto-Raumfläche mal lichte Raumhöhe. Die Differenz zum Brutto-Rauminhalt ist der Konstruktions-Rauminhalt (KRI) der Wände, Decken und Dächer.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- DIN 277:2021-08 Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau, Abschnitte 1, 3.8 bis 3.10, 6.1 und 7
- DIN 277:1950-11 Hochbauten – Umbauter Raum – Raummeterpreis (zurückgezogen)
- Zweite Berechnungsverordnung (II. BV), Anlage 2: Berechnung des umbauten Raumes
- Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV), Anlage 4: Normalherstellungskosten 2010 je m² Brutto-Grundfläche
- Bauportal NRW: Gebühren der Baugenehmigung nach AVwGebO NRW
Stand: 30. Oktober 2026. Der Normtext der DIN 277 ist urheberrechtlich geschützt und über DIN Media erhältlich.
D. Pilz
Architekt
Herr Pilz ist qualifizierter Architekt mit langjähriger Erfahrung in der Wohnflächenberechnung nach DIN 277 und Wohnflächenverordnung. Er prüft und signiert alle Berechnungen bei wohnraum-rechner.de.
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