Grundriss lesen: Symbole, Abkürzungen, Bemaßung und Maßstab verständlich erklärt
Kurz gesagt: Zuerst die Legende, dann die Maßzahlen. Maße unter 1 m stehen in Zentimetern, ab 1 m in Metern, eine hochgestellte 5 bedeutet einen halben Zentimeter. Bei Fenstern und Türen steht die Breite über, die Höhe unter der Maßlinie. Der übliche Maßstab ist 1:100, im Werkplan 1:50. Und die Quadratmeter im Plan sind selten schon die Wohnfläche nach WoFlV. Hier finden Sie Symbole, Abkürzungen und ein Rechenbeispiel.
Die kurze Antwort
Einen Grundriss lesen Sie in vier Schritten: Legende und Maßstab im Plankopf prüfen, Symbole für Wände, Türen, Fenster und Treppen erkennen, die Maßketten von außen nach innen lesen und zuletzt klären, ob die Maße Rohbau- oder Fertigmaße sind. Maße unter einem Meter stehen in Zentimetern, ab einem Meter in Metern, Bruchteile eines Zentimeters werden hochgestellt (ingenieurkurse.de, Bemaßung in Bauzeichnungen). 3,765 bedeutet also 3,765 m.
3,765
3,765 m, die hochgestellte 5 ist ein halber Zentimeter
885 / 2,01
Türöffnung 88,5 cm breit, 2,01 m hoch (Breite über, Höhe unter der Maßlinie)
BRH 1,00
Brüstungshöhe 1 m über Oberkante Fertigfußboden
16 Stg. 18,1/26
16 Steigungen, je 18,1 cm hoch und 26 cm tief
M 1:100
1 cm auf dem Plan sind 1 m in der Wirklichkeit
NF: 17,10 m²
Fläche im Raumstempel, meist nicht die Wohnfläche nach WoFlV
Die wichtigste Regel: Abkürzungen und Zeichen sind nicht vollständig vereinheitlicht. Was ein Büro mit „RH“ meint, kann beim nächsten etwas anderes sein. Die Legende auf dem Plan geht deshalb jeder Tabelle im Internet vor, auch dieser.
Grundriss-Symbole: Was die Zeichen in der Legende bedeuten
Ein Grundriss ist ein waagerechter Schnitt durch ein Geschoss, von oben betrachtet. Deshalb sehen Sie Wände im Schnitt, Öffnungen für Türen und Fenster und die Treppe, die in 1,00 m Höhe über dem Fertigfußboden abgeschnitten dargestellt wird (Baunetz Wissen, Lauflinie). Die Grundregeln der Darstellung standen lange in der DIN 1356-1 „Bauzeichnungen“ (Ausgabe 1995). Seit 2025 gilt dafür die DIN EN ISO 7519, eine neue DIN 1356-1 liegt als Entwurf vor. Pläne aus der Bauakte sind nach der Fassung gezeichnet, die bei ihrer Entstehung galt.
| Symbol im Plan | Bedeutung | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Dicke Linien, Schraffur oder Füllung | Geschnittene Wände | Die Legende unterscheidet Wandarten, etwa Stahlbeton, Mauerwerk und Leichtbau/GK-Metallständerwand. Das Muster ist von Büro zu Büro verschieden. |
| Türblatt mit Viertelkreis | Drehflügeltür mit Aufschlagrichtung | Der Bogen liegt in dem Raum, in den die Tür aufgeht. Daraus ergibt sich DIN links oder DIN rechts. |
| Dünne Doppellinie in der Wand | Fenster | Breite und Höhe stehen an der Maßkette, die Brüstungshöhe als eigener Vermerk „BRH“. |
| Stufenlinien mit Pfeil | Treppe mit Lauflinie | Der Kreis markiert den Antritt, der Pfeil zeigt immer nach oben. Die Schnittlinie trennt den sichtbaren vom darüberliegenden Teil. |
| Gestrichelte Linien | Bauteile über der Schnittebene oder verdeckt | Zum Beispiel der obere Treppenteil, ein Unterzug oder eine Abhangdecke. Ihre Bedeutung steht in der Legende. |
| Umrisse von Wanne, Dusche, WC, Waschtisch | Sanitärobjekte in Draufsicht | Fest eingebaute Wannen und Duschen zählen bei der Wohnfläche mit, ihre Grundfläche wird nicht abgezogen. |
| Höhenkote, z. B. ±0,00 | Höhenlage eines Fußbodens | Meist bezogen auf OKFF Erdgeschoss = ±0,00, oft mit Angabe in Meter über NHN. Negative Werte liegen tiefer. |
| Linie mit Buchstaben und Pfeilen, z. B. A-A | Lage eines Schnitts | Im Schnitt A-A finden Sie Raumhöhen, Dachneigung und Treppenverlauf. Für Dachgeschosse unverzichtbar. |
| Raumstempel (Name, Nummer, m²) | Angaben zum Raum | Enthält oft Fläche, Bodenbelag und Raumhöhe. Die Fläche ist meist eine Netto-Grundfläche, nicht die Wohnfläche. |
| Grau, Rot, Gelb (Umbaupläne) | Bestand, Neubau, Abbruch | Die Musterbauvorlagenverordnung (Fassung 2007) nennt grau für vorhandene, rot für geplante und gelb für zu beseitigende Bauteile. |
Die Wandarten und Höhenangaben in der Tabelle sind den Legenden zweier öffentlich ausgelegter Bauzeichnungen entnommen (Stadt Münster, Anlage 1 zu V/0647/2023; Gemeinde Wietmarschen, Grundriss EG). Dass Bauzeichnungen Zeichen und Farben nach einer Anlage verwenden, schreiben die Bauvorlagenverordnungen der Länder vor, in Bayern zum Beispiel § 8 Abs. 4 BauVorlV.
Abkürzungen im Grundriss: RH, BRH, OKFF und Co.
Die folgende Liste zeigt die Abkürzungen, die Ihnen in Wohnungsgrundrissen am häufigsten begegnen. Die Bedeutungen folgen den Legenden der oben genannten Pläne. Weicht Ihr Plan davon ab, gilt seine Legende.
| Abkürzung | Bedeutung | Hinweis |
|---|---|---|
| OKFF | Oberkante Fertigfußboden | Bezugshöhe für fast alle Höhenmaße. OKFF EG ist meist ±0,00. |
| OKRF, OKRD | Oberkante Rohfußboden, Oberkante Rohdecke | Liegt um den Fußbodenaufbau tiefer, z. B. −0,15 oder −0,20. |
| UKRD, UKD | Unterkante Rohdecke | Obere Grenze der Raumhöhe im Rohbau. |
| RH | Raumhöhe | Uneinheitlich: in einer Legende „von OKFF bis UKRD“, in einer anderen „Raumhöhe Rohbau“. Immer die Legende prüfen. |
| HiL. | Höhe im Lichten | Von OKFF bis Unterkante Abhangdecke oder Deckenbekleidung. Diese lichte Höhe zählt für die WoFlV. |
| BRH | Brüstungshöhe | Von OKFF bis Oberkante Rohbrüstung. Steht neben dem Fenster, nicht in der Maßkette. |
| BRHF | Brüstungshöhe fertig | Von OKFF bis Oberkante fertige Brüstung bzw. Fensterbank innen. |
| OK, UK, VK | Oberkante, Unterkante, Vorderkante | Wird mit dem Bauteil kombiniert, z. B. UK Sturz. |
| UZ | Unterzug | Balken unter der Decke. Kann Raumteile unter 2 m lichte Höhe drücken. |
| AHD | Abhangdecke | Abgehängte Decke, verringert die lichte Höhe. |
| WD, WS, BD, DD | Wanddurchbruch, Wandschlitz, Bodendurchbruch, Deckendurchbruch | Vor allem in Werkplänen für Leitungen. |
| HK | Heizkörper | Fest eingebaute Heizgeräte werden bei der Wohnfläche nicht abgezogen. |
| NF, NGF, NRF | Flächenangabe im Raumstempel, meist Netto-Grundfläche | Die DIN 277 nennt sie seit 2016 Netto-Raumfläche (NRF), vorher Netto-Grundfläche (NGF). Kürzel uneinheitlich, ohne Höhenstaffelung. |
| NHN | Normalhöhennull | Amtliches Höhensystem, z. B. „OKFF EG ±0,00 = +58,25 m NHN“. |
| Stg., s/a | Steigungen, Steigungsverhältnis | Anzahl der Stufen und Steigungshöhe/Auftrittstiefe, z. B. 16 Stg. 18,1/26. |
Mehr Fachbegriffe rund um Flächen und Maße finden Sie im Glossar zur Wohnflächenberechnung.
Bemaßung lesen: Maßketten, Einheiten und die hochgestellte 5
Die Maße an einem Grundriss stehen in Maßketten: Maßzahlen auf einer feinen Maßlinie, begrenzt durch kurze Schrägstriche oder Punkte. Mehrere parallele Ketten werden von innen nach außen angeordnet. Die innerste Kette bemaßt meist die Öffnungen, die mittlere die Wandstücke dazwischen, die äußerste das Gesamtmaß (ingenieurkurse.de). Die Einzelmaße einer Kette ergeben zusammen das Maß der nächsten Kette. Das ist die einfachste Kontrolle, ob Sie richtig lesen.
Einheiten: Zentimeter und Meter gemischt
Einheiten stehen nicht dabei. Sie ergeben sich aus der Schreibweise: Maße unter einem Meter in Zentimetern, Maße ab einem Meter in Metern mit Komma. In derselben Kette können deshalb „24“, „1,01“ und „3,765“ nebeneinanderstehen, also 24 cm, 1,01 m und 3,765 m.
Die hochgestellte Ziffer
Bruchteile eines Zentimeters werden hochgestellt, in der Regel auf 5 mm gerundet. Das gibt das oktametrische Maßsystem der Maßordnung im Hochbau vor, in dem viele Maße auf halbe Zentimeter enden. Beispiele:
11511,5 cm
88588,5 cm
3,7653,765 m
2,1352,135 m
Lesen Sie die hochgestellte Ziffer nicht als Fußnote oder Exponent. Wer bei 3,765 nur 3,76 rechnet, liegt einen halben Zentimeter daneben; wer 3,765 als 37,65 m liest, hat das Komma verschoben.
Rohbaumaß oder Fertigmaß?
Bauantrags- und Werkpläne sind meistens im Rohbaumaß bemaßt, also zwischen den unverputzten Wänden. Viele Planlegenden sagen das ausdrücklich, etwa: „Alle Maße sind Rohbaumaße sofern nicht anders angegeben. Brüstungshöhen (BRH), Tür- und Fensterhöhen sind ab OKFF vermaßt“ (Planlegende Stadt Münster). Die Bauvorlagenverordnungen verlangen zudem, dass die Rohbaumaße der Fensteröffnungen in Aufenthaltsräumen angegeben werden (§ 8 Abs. 3 Nr. 3 BauVorlV Bayern).
Für die Wohnfläche ist das wichtig: § 3 Abs. 1 WoFlV verlangt die lichten Maße „von der Vorderkante der Bekleidung der Bauteile“, also ab Putz, Fliese oder Trockenbauplatte. Wie Sie Rohbaumaße umrechnen und warum es keinen pauschalen Abzug von 3 % mehr gibt, erklärt Putzabzug und Rohbaumaß .
Maßstab 1:100 und 1:50: welcher Plan wofür
Der Maßstab steht im Plankopf, oft als „M 1:100“. Er sagt, wie stark verkleinert gezeichnet wurde:
| Maßstab | 1 cm auf dem Plan | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 1:200 | 2 m | Übersichten großer Gebäude |
| 1:100 | 1 m | Entwurf und Bauantrag, die meisten Pläne in der Bauakte |
| 1:50 | 0,5 m (2 cm = 1 m) | Ausführungs- und Werkplanung |
| 1:20 bis 1:1 | 20 cm bis 1 cm | Details, z. B. Fensteranschluss, Treppe |
Bauantragsplan und Werkplan
Für den Bauantrag schreiben die Bauvorlagenverordnungen der Länder in der Regel den Maßstab 1:100 vor. Ein größerer Maßstab ist zu wählen, wenn die Eintragungen sonst nicht lesbar sind (§ 8 Abs. 1 BauVorlV Bayern). Die Grundrisse zeigen die Nutzung der Räume, die Treppen und die Abgasanlagen; Schnitte zeigen die lichten Raumhöhen und den Treppenverlauf mit Steigungsverhältnis. Der Werkplan aus der Ausführungsplanung ist für die Handwerker gedacht. Die HOAI nennt dafür bei Gebäuden beispielhaft Maßstäbe von 1:50 bis 1:1, für die Entwurfsplanung 1:100 (HOAI, Anlage 10). Werkpläne enthalten mehr Maße, oft auch Fertigmaße, Schlitze und Durchbrüche.
Ein Exposé-Grundriss dagegen ist meist eine vereinfachte Vermarktungsgrafik ohne Maßstab und oft ohne Maßketten. Für eine Flächenberechnung taugt er nur als Skizze. Woher Sie die Originalpläne bekommen, steht in Grundriss und Bauakte beschaffen .
Türen, Fenster und Treppen im Grundriss
Fenster und Türen: Breite über, Höhe unter der Maßlinie
Bei Öffnungen steht unter dem Breitenmaß zusätzlich die Öffnungshöhe. Ein Fenster mit „1,01“ über und „1,26“ unter der Maßlinie ist also 1,01 m breit und 1,26 m hoch. Manche Pläne schreiben das als Bruch: 1,01/1,26. Die Brüstungshöhe steht als eigener Vermerk am Fenster, etwa „BRH 1,00“, und gehört nicht zur Maßkette. Die Oberkante des Fensters ergibt sich aus Brüstungshöhe plus Öffnungshöhe, hier 2,26 m über OKFF (ingenieurkurse.de).
Bei Türen steht meist das Rohbaumaß der Wandöffnung. Die gängigen Maße der Wohnungstüren sind genormt: Zur Wandöffnung 885 × 2010 mm gehört ein gefälztes Türblatt von 860 × 1985 mm (Baunetz Wissen, Türblattgrößen nach DIN 18101). Im Plan steht diese Öffnung als 885/2,01.
Öffnungsrichtung: DIN links und DIN rechts
Der Viertelkreis zeigt, wohin die Tür aufschlägt. Für die Bezeichnung DIN links oder DIN rechts betrachten Sie die Tür von der Seite, zu der sie sich öffnet. Sitzen die Bänder dann links, ist es eine DIN-links-Tür, sitzen sie rechts, eine DIN-rechts-Tür (Baunetz Wissen, DIN-links und DIN-rechts). Im Grundriss liegen die Bänder am Drehpunkt des Bogens, also dort, wo das gezeichnete Türblatt an die Wand stößt.
Treppe: Lauflinie, Pfeil und Steigungsverhältnis
Die Lauflinie beginnt mit einem Kreis an der Antrittsstufe, der Pfeil zeigt immer nach oben. Die Treppe wird in 1,00 m Höhe über OKFF durch eine doppelte Schnittlinie unterbrochen, der Teil darüber ist gestrichelt (Baunetz Wissen, Lauflinie). Daneben steht oft die Zahl der Steigungen und das Steigungsverhältnis als Quotient aus Steigungshöhe und Auftrittstiefe (Baunetz Wissen, Steigungsverhältnis):
16 Stg. 18,1/26
Anzahl der Steigungen16
Steigungshöhe s18,1 cm
Auftrittstiefe a26 cm
Geschosshöhe 16 × 18,1 cm2,90 m
Schrittmaß 2 × 18,1 + 2662,2 cm
Die Schrittmaßregel 2 s + a sollte zwischen 59 und 65 cm liegen; die DIN 18065 verlangt, dass das Steigungsverhältnis danach geplant wird (Baunetz Wissen, Steigungsverhältnis). Für die Wohnfläche ist die Treppe ebenfalls relevant: Treppen mit mehr als drei Steigungen und ihre Treppenabsätze bleiben nach § 3 Abs. 3 Nr. 2 WoFlV außer Betracht.
Wohnfläche aus dem Grundriss ablesen: die typischen Fehler
Die WoFlV erlaubt ausdrücklich, die Grundfläche „auf Grund einer Bauzeichnung“ zu ermitteln. Die Zeichnung muss aber für ein bauordnungsrechtliches Verfahren gefertigt oder geeignet sein und die Ermittlung der lichten Maße ermöglichen. Wurde abweichend gebaut, ist neu zu messen (§ 3 Abs. 4 WoFlV). Ein Grundriss ist also eine zulässige Grundlage, wenn Sie diese Stolperstellen kennen:
-
1
Die m² im Raumstempel sind nicht die Wohnfläche. Im Raumstempel steht häufig eine Netto-Grundfläche, nach heutiger DIN 277 Netto-Raumfläche (NRF), oft aus Rohbaumaßen. Sie kennt keine Höhenstaffelung und rechnet Balkone voll. Den Unterschied der beiden Regelwerke zeigt DIN 277 einfach erklärt.
-
2
Rohbaumaß statt lichtes Maß. Die Kettenmaße eines Bauantragsplans reichen von Rohwand zu Rohwand. Ziehen Sie je Wandseite die tatsächliche Bekleidung ab, bei Innenputz etwa 1 bis 1,5 cm.
-
3
Dachschrägen sind im Grundriss unsichtbar. Nach § 4 WoFlV zählen Flächen ab 2 m lichter Höhe voll, zwischen 1 und 2 m zur Hälfte, unter 1 m gar nicht. Wo diese Linien liegen, entnehmen Sie dem Schnitt: Kniestockhöhe und Dachneigung. Mehr dazu in Wohnfläche im Dachgeschoss.
-
4
Balkon und Terrasse voll gezählt. Die WoFlV rechnet sie in der Regel zu einem Viertel an, höchstens zur Hälfte. Details in Balkon und Terrasse in der Wohnfläche .
-
5
Schornstein, Pfeiler und Nischen falsch behandelt. Schornsteine und Pfeiler über 1,50 m Höhe und mehr als 0,1 m² Grundfläche werden abgezogen, Türnischen nicht mitgerechnet (§ 3 Abs. 3 WoFlV). Die Einzelfälle erklärt Nischen, Pfeiler und Schornstein .
-
6
Keller, Hobbyraum, Dachboden mitgezählt. Zubehörräume gehören nicht zur Wohnfläche, auch wenn sie im Grundriss mit Raumstempel und m² stehen. Die vollständige Liste finden Sie unter Was zählt zur Wohnfläche?
Weitere Fehlerquellen, von vergessenen Raumteilen bis zur falschen Rundung, sammelt Typische Fehler bei der Wohnflächenberechnung.
Rechenbeispiel: vom Raumstempel zur Wohnfläche
Die Pläne eines Hauses zeigen drei Flächen. Das Wohnzimmer misst laut Maßkette im Bauantragsplan (1:100, Rohbaumaße) 4,51 × 3,765 m, Innenputz 1,5 cm je Seite. Der Balkon misst 4,00 × 1,50 m. Das Kinderzimmer im Dachgeschoss ist im Werkplan mit Fertigmaßen 3,50 × 3,20 m angegeben; laut Schnitt liegt über der 3,20 m langen Außenwand ein Kniestock von 1,00 m, das Dach ist 45° geneigt.
Flächen laut Plan (Raumstempel)
Wohnzimmer 4,51 × 3,76516,98 m²
Balkon 4,00 × 1,506,00 m²
Kinderzimmer DG 3,50 × 3,2011,20 m²
Summe laut Plan34,18 m²
Wohnfläche nach WoFlV
Wohnzimmer lichte Maße 4,48 × 3,73516,73 m²
Balkon 6,00 × 25 %1,50 m²
Kinderzimmer, Streifen ab 2 m: 2,50 × 3,208,00 m²
Kinderzimmer, Streifen 1 bis 2 m: 1,00 × 3,20 × 50 %1,60 m²
Wohnfläche27,83 m²
So entsteht der Streifen im Dachgeschoss: Bei 45° Neigung steigt die Dachschräge auf einem Meter Breite um einen Meter. Vom Kniestock mit 1,00 m bis zur 2-m-Linie sind es also 1,00 m Raumtiefe, die zur Hälfte zählen. Bei anderen Neigungen gilt: Abstand = (2,00 m − Kniestockhöhe) ÷ tan(Dachneigung).
Ergebnis: Wer die Quadratmeter aus dem Plan addiert, kommt auf 34,18 m², die Wohnfläche beträgt 27,83 m². Von der Differenz (6,35 m²) gehen 6,10 m² auf Balkon und Dachschräge zurück, nur 0,25 m² auf den Putz. Bei einer ganzen Wohnung summiert sich das schnell zu einer Abweichung, die im Exposé oder Kaufvertrag zum Problem wird.
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Häufige Fragen zum Grundriss lesen
Was bedeutet die kleine hochgestellte Zahl an einem Maß im Grundriss?
Sie steht für Bruchteile eines Zentimeters, in der Regel für einen halben Zentimeter. 3,76 mit hochgestellter 5 heißt 3,765 m, 88 mit hochgestellter 5 heißt 88,5 cm. Hintergrund ist das oktametrische Maßsystem der Maßordnung im Hochbau, das häufig auf halbe Zentimeter führt.
Was bedeuten RH und BRH im Grundriss?
BRH ist die Brüstungshöhe, gemessen von der Oberkante Fertigfußboden (OKFF) bis zur Oberkante der Brüstung, also bis zur Unterkante der Fensteröffnung. RH steht für die Raumhöhe. Ob damit die Höhe bis zur Rohdecke, die Rohbauhöhe oder die lichte Höhe bis zur fertigen Decke gemeint ist, unterscheidet sich von Büro zu Büro. Maßgeblich ist die Legende des Plans.
Wie rechne ich den Maßstab 1:100 und 1:50 um?
Bei 1:100 entspricht 1 cm auf dem Papier 1 m in der Wirklichkeit. Bei 1:50 sind es 2 cm für 1 m. Nachmessen mit dem Lineal funktioniert aber nur auf einem Originalausdruck in der richtigen Papiergröße. Verlassen Sie sich lieber auf die eingetragenen Maßzahlen.
Wie erkenne ich im Grundriss, in welche Richtung eine Tür aufgeht?
Am Viertelkreis. Der Bogen zeigt den Weg der Türkante, der gerade Strich das geöffnete Türblatt. Die Tür schlägt in den Raum auf, in dem der Bogen liegt, und die Bänder sitzen an dem Punkt, um den sich der Bogen dreht.
Sind die Maße im Grundriss Rohbaumaße oder Fertigmaße?
In Bauantrags- und Werkplänen meist Rohbaumaße, also ohne Putz und Fliesen. Viele Planlegenden sagen das ausdrücklich, etwa „Alle Maße sind Rohbaumaße sofern nicht anders angegeben“. Für die Wohnfläche nach WoFlV brauchen Sie das lichte Maß ab Vorderkante der Bekleidung, also das Fertigmaß.
Kann ich die Quadratmeter aus dem Grundriss als Wohnfläche übernehmen?
Nicht ungeprüft. Die Flächenangabe im Raum ist oft eine Netto-Grundfläche ohne Höhenstaffelung und teils aus Rohbaumaßen berechnet. Für die Wohnfläche nach WoFlV zählen Dachschrägen unter 2 m nur zur Hälfte, unter 1 m gar nicht, und Balkone in der Regel zu einem Viertel.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Wohnflächenverordnung (WoFlV), § 3 (Ermittlung der Grundfläche, auch aus Bauzeichnungen) und § 4 (Anrechnung)
- Bayerische Bauvorlagenverordnung (BauVorlV), § 8 Bauzeichnungen: Maßstab 1:100, Inhalte von Grundriss und Schnitt, Rohbaumaße der Fensteröffnungen; die übrigen Länder regeln das in eigenen Verordnungen ähnlich
- Musterbauvorlagenverordnung (MBauVorlV), Fassung Februar 2007, § 8 und Anlage 1 (Zeichen und Farben), Archivfassung bei umwelt-online
- HOAI, Anlage 10, Leistungsbild Gebäude: Maßstäbe der Entwurfs- und Ausführungsplanung
- DIN EN ISO 7519:2025-01 Technische Produktdokumentation, Bauzeichnungen; ersetzt DIN 1356-1:2024-04 (vorher DIN 1356-1:1995-02), Neufassung der DIN 1356-1 als Entwurf 2026-09
- DIN 406-11:1992-12 Technische Zeichnungen, Maßeintragung, Grundlagen der Anwendung; zurückgezogen, ersetzt durch DIN EN ISO 129-1:2020-02
- ingenieurkurse.de: Die Objekte einer Bemaßung in Bauzeichnungen (Einheiten, hochgestellte Ziffern, Maßketten, Öffnungshöhe und BRH)
- Baunetz Wissen: Lauflinie, Steigungsverhältnis, DIN-links und DIN-rechts, Türblattgrößen nach DIN 18101
- Planlegenden als Beispiele: Stadt Münster, Anlage 1 zur Vorlage V/0647/2023; Gemeinde Wietmarschen, Lohner Höfe, Grundriss EG Haus 1
Stand: 04. November 2026. Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Bauberatung.
D. Pilz
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